Befristeter Arbeitsvertrag - annehmen?

Befristeter ArbeitsvertragBefristete Arbeitsverträge sind derzeit sehr verbreitet. Sie bieten Arbeitgebern eine höhere Flexibilität als unbefristete Anstellungen. Soll der Personalbestand verringert werden, reicht es aus, befristete Arbeitsverhältnisse einfach auslaufen zu lassen - ohne erforderlichen Sozialplan, ohne Kündigungen, Kündigungsschutzklagen, Abfindungen und den ganzen Aufwand, den man sich gerne sparen möchte. Befristete Arbeitsverträge können ihren Grund auch in einer erwünschten längeren Bewährungsfrist haben, als es die gesetzliche Probezeit ermöglicht. Bewährt sich der Mitarbeiter nicht, lässt man den Vertrag einfach auslaufen ohne Gefahr, das Ende der Probezeit zu verpassen und dann im Rahmen des Kündigungsschutzes an den Mitarbeiter gebunden zu sein.

Für einen Bewerber ist das Angebot eines befristeten Arbeitsvertrags naturgemäß unerfreulich. Immerhin hängt seine wirtschaftliche Existenz an dem Beschäftigungsverhältnis, das in einer absehbaren Zeit bestimmungsgemäß enden wird. Was danach kommen wird, ist ungewiss. Bei einer solch begrenzten Vorausschau lässt sich kaum eine langfristige Lebensplanung gestalten.

Aber wenn das Jobangebot ansonsten reizvoll ist, soll man dann trotzdem auf einen befristeten Arbeitsvertrag eingehen?

Hier ein paar Gedanken für Ihre Entscheidung.


Sie sind arbeitslos? Dann nehmen Sie den befristeten Arbeitsvertrag an. Jedes Beschäftigungsverhältnis, auch ein befristetes, selbst für eine Tätigkeit die unter Ihrem Qualifikationsniveau liegt, ist besser, als arbeitslos zu bleiben.

  • Sie werden in der in der Regel mehr Geld verdienen, als Sie zuvor Arbeitslosenunterstützung bezogen haben
  • Der Count down zu Hartz IV stoppt
  • Sie begrenzen mit dem befristeten Arbeitsvertrag die Station "arbeitslos", die in Ihrem Lebenslauf lebenslang erhalten bleibt und später keinen guten Eindruck bei Bewerbungen macht; wenn sie zu lang wird.
  • Sie gewinnen wieder mehr „Marktwert“, wenn Sie sich aus der Anstellung heraus weiter bewerben wollen

Sie sind Berufsneueinsteiger und der Job entspricht ansonsten dem Berufsfeld, in dem Sie tätig sein wollen? Auch dann spricht viel dafür, den befristeten Arbeitsvertrag anzunehmen. Ein genereller Bewerbungsnachteil von Berufseinsteigern ist, dass sie noch über keine Berufserfahrung verfügen. Selbst wenn Sie diesen Job nur ein oder zwei Jahre lang machen, so können Sie dann anschließend immerhin einschlägige Berufserfahrung nachweisen, die Ihnen für Ihre weiteren Bewerbungen sehr hilft.


Der Job erfüllt bis auf die Befristung Ihre Erwartungen weitgehend oder übertrifft sie sogar? Ihre Aussichten auf eine vergleichbare oder bessere Stelle ohne Befristung sind eher gering? Dann macht es Sinn, das Risiko des befristeten Arbeitsvertrags einzugehen, in der Absicht, einen so guten Eindruck während der Beschäftigung zu hinterlassen, dass der Vertrag hoffentlich unbefristet verlängert wird.


Ich glaube auf den Fall, dass Sie auch ein mindestens genauso reizvolles, aber unbefristetes Jobangebot bekommen haben, brauche ich wohl nicht einzugehen. Wichtig ist nur, im Vergleich wirklich alles abzuwägen, was für Sie sowohl aktuell als auch langfristig von Bedeutung ist.

Wenn Sie einen befristeten Arbeitsvertrag angenommen haben, hat das Thema eigentlich gar nichts mehr mit Bewerbungen zu tun, oder? Ich meine, ein wenig doch. Denn Sie wollen ja doch wahrscheinlich auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis hinwirken. Dazu müssen Sie die dafür entscheidenden Personen von Ihrem Können, von Ihrem Engagement, von Ihren Arbeitsergebnissen und von sich persönlich überzeugen. Im weiteren Sinne „bewerben“ Sie sich dann initiativ auf eine zumeist noch gar nicht „ausgeschriebene“ unbefristete Anstellung.

Vieles was Sie tun können, um sich dafür zu empfehlen liegt ganz nahe und außerhalb meines Einflussbereichs, wie z.B. stets leistungsbereit, zuverlässig und gewissenhaft zu sein. Doch was könnte man sonst noch tun?

Hierzu ein paar Vorschläge:


Lassen Sie sich überdurchschnittlich gute Leistungen bestätigen. Bitten Sie z.B. gegen Ende der Probezeit sowie zur Halbzeit der Befristung des Arbeitsvertrags um ein bewertendes Feedbackgespräch. Fragen Sie explizit nach der Zufriedenheit mit Ihnen und wo Sie sich noch verbessern könnten. Von Ihrem Vorgesetzten bestätigte gute Leistungen verankern sich viel stärker in seiner Erinnerung als solche, die er sich gar nicht bewusst gemacht hat. Und sich aus eigenem Antrieb weiter verbessern zu wollen, dürfte in den allermeisten Fällen besonders positiv aufgenommen werden.


Oftmals bekommt man etwas nur deshalb nicht, weil gar nicht klar war, dass man es wollte. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Chef oder irgendjemand anders von sich aus ahnt, was Sie wirklich wollen. Bringen Sie selbst zum Ausdruck, dass Sie sich eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses wünschen und fragen Sie von Zeit zu Zeit nach den Aussichten dafür. Dadurch bewegen Sie Ihren Chef dazu, sich ernsthaft mit dieser Option auseinanderzusetzen.


Machen Sie deutlich, dass Sie zwar ein langfristiges Arbeitsverhältnis bei dem aktuellen Arbeitgeber anstreben, aber wegen der Kürze der verbleibenden Zeit beginnen müssen, sich erneut zu bewerben. Ein angemessener Zeitpunkt dafür könnte z.B. 6 Monate vor Ablauf der Befristung Ihres Arbeitsvertrags sein. Machen Sie deutlich, dass es überhaupt nicht Ihr Wunsch ist, das Unternehmen zu verlassen, Sie es aber aus Gründen Ihrer eigenen wirtschaftlichen Existenz tun müssten, wenn Sie ein passendes Angebot erhalten.

Wenn Sie sich in dem Unternehmen einen sehr guten Stand erarbeitet haben, wird man Sie nicht gerne gehen lassen und nach Möglichkeiten suchen, Ihren drohenden Weggang zu verhindern. In diesem Falle hieße das, Ihnen vorzeitig eine unbefristete Verlängerung anzubieten. Falls Sie in dem Unternehmen keinen so guten Stand haben, sollten Sie sich vielleicht sowieso woanders bewerben, weil die aktuelle Stelle anscheinend nicht hinreichend Ihren Vorstellungen oder/und Ihren Fähigkeiten entspricht.


Machen Sie Ihren Vorgesetzten darauf aufmerksam, dass Sie sich spätestens drei Monate vor Ablauf der Befristung Ihres Arbeitsvertrags bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden müssen. Das ist ihm möglicherweise gar nicht bewusst. Falls er schon erwägt, Sie unbefristet zu übernehmen, wird er Ihnen den Gang zum Amt wahrscheinlich nicht zumuten wollen. Dann haben Sie gute Chancen, noch vor Anbruch der letzten drei Befristungsmonate alles klar zu machen.


Anzeige

Alternative Tipps zum Thema Bewerbung finden Sie hier

Anzeige

Wenn Ihnen meine Bewerbungs-Tipps gefallen, würde ich mich über eine Empfehlung sehr freuen!

Sie möchten auf diese Seite verlinken?

Dann kopieren Sie einfach den folgenden HTML-Code in den <body>-Quelltext Ihrer WebPage:

<a href=“ “>Erfolgreicher-Bewerben.de - </a>

 

(m/w)

Genderbezeichnungen werden auf dieser WebSite aus Gründen des sprachlichen Flusses und der ungestörten Lesbarkeit einheitlich in der männlichen Form ausgeführt. Selbstverständlich sind damit jederzeit alle Geschlechter gleichermaßen gemeint.

Im Duden: man (Mann), eigentlich = irgendeiner, jeder beliebige (Mensch)

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.